Portrait Trigema Chef Wolfgang Grupp
Siemens, Schiesser, VW, Boss - sie alle verlagern Arbeitsplätze ins Ausland. Das muss so sein, sagen sie alle.
Alle?
Nein, es gibt einen Unternehmer auf der Schwäbischen Alb, der Widerstand leistet - und ausschließlich in Deutschland produziert … und Gewinn macht … und Tarif zahlt … und noch nie jemandem betriebsbedingt gekündigt hat.
Wolfgang Grupp.
Grupp? … das ist der mit dem Affen in der Werbung.
Man sollte meinen, dass es sie im 21. Jahrhundert gar nicht mehr gibt: die Familienbetriebe alten Schlages, bei denen der Sohn in die Fußstapfen des Vaters tritt und traditionelle Werte wie Rücksicht, Fleiß und Zusammenhalt noch ihren Platz haben. Doch in manchen Teilen Deutschlands dreht sich die Welt nicht so schnell wie in anderen: Der Ort Burladingen, Sitz des Textilherstellers Trigema, ist ein solcher Teil - und kann doch auf eine 84jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken.
Trigema-Geschäftsführer Wolfgang GruppWolfgang Grupp wird hier auf der baden-württembergischen Zollernalb nicht ganz ohne Stolz der König von Burladingen genannt. Manchen Stadtbewohner spornt der täglich kurz vor der 20 Uhr-Tagesschau laufende Trigema-TV-Werbespot zwar zu spöttischen Kommentaren über den prominenten Bürger an. Alles in allem sind sich die Burladinger der Bedeutung von Trigema für die Stadt aber durchaus bewusst - und der Familie Grupp dafür dankbar, dass sie dazu beigetragen hat, sie aus der Ära der Landwirtschaft in die Neuzeit zu führen.
Neuzeit? Nein, nicht ganz. Denn Grupp führt sein Unternehmen noch so, als spiele die wirtschaftliche Globalisierung keine Rolle. Bei Themen wie der Verlagerung von Produktionsstandorten ins Ausland, der Umstellung auf Massenproduktion oder der Erschließung neuer Märkte mit Hilfe der Banken, winkt der süddeutsche Unternehmer ab. Er setzt auf ein solides Wachstum in der Heimat.
Die Familie hat bei Trigema einen besonderen Wert. Und das ist durchaus gewollt, wie sich im aktuellen Herbst/Winter-Katalog des Unternehmens zeigt: Auf der Titelseite posiert Grupps Tochter in Freizeitkleidung, auf der Rückseite ist sein Sohn im Winterdress auf einem Schneemobil abgelichtet. „Wir sitzen alle in einem Boot“, ist die Botschaft des Pragmatikers Grupp.
„Was sie hier in Burladingen sehen, ist alles bezahlt.“ In den 80er und 90er Jahren geriet auch Trigema unter Preisdruck, Großkunden kauften verstärkt billige Importprodukte. Doch Grupp verlagerte seine Färberei nicht ins Ausland, sondern wechselte von Großkunden zu Einzelhändlern und eröffnete eigene Testgeschäfte, die Trigema-Textilien zu Fabrikpreisen anbieten.
Die Rechnung ging auf: Der Direktverkauf macht heute bereits 54 Prozent des Umsatzes aus – und zeigt damit, dass es auch in Zeiten der Globalisierung noch alternative Geschäftskonzepte gibt.







