Ratatouille - Rattenscharf serviert
Neben der hüpfenden Lampe gehört auch der obligatorische Vorfilm zu den Markenzeichen einer typischen Kinovorführung einer Pixar-Produktion. Im vergangenen Jahr wurde John Lasseters Cars so von dem oscarnominierten Kurzfilm-Meisterwerk One Man Band eingeleitet, wobei der geniale Vorfilm dem eigentlichen Hauptevent mit großen Schritten den Rang ablief.
Auch im Falle von Brad Birds Animationskomödie Ratatouille hat diese Gefahr der verqueren Verhältnisse durchaus bestanden, denn Gary Rydstroms Fünfminüter Lifted ist einmal mehr ein zum Schreien komisches Kurzfilm-Highlight.
Lifted - Neuer Kurzfilm der Pixar-Studios
Ein schwer überforderter UFO-Fahrschüler soll einen friedlich schlafenden Menschen mit dem Traktorstrahl aus seinem Bett und an Bord der fliegenden Untertasse befördern, hat dabei aber mit den vielen Knöpfen und dem schmalen Fenster so seine Probleme.
Doch Ratatouille nimmt die Herausforderung nicht nur an, er meistert sie auch noch spielend. Birds zweiter 3D-Animationsfilm erweist sich als das perfekte Leinwandabenteuer - perfekt erzählt, perfekt inszeniert und perfekt animiert.
Es ist kaum vorstellbar, dass man an einem Film dieses Genres überhaupt noch etwas großartig besser machen könnte.
Was Pixar-Filme im Schnitt so weit über die Animationsanläufe anderer Studios hievt, ist die stets gelungene Mischung aus Kinder- und Erwachsenenunterhaltung. In Ratatouille geht diese Schere zwischen den Zielgruppen noch weiter auseinander, es wird noch mehr wert als sonst auf die spezifisch auf ein älteres Publikum ausgerichteten Anteile gelegt.
Doch die ganze formale technische Perfektion wäre nur die Hälfte wert, wenn die Charaktere, bei ehrlicher Betrachtung das Herzstück eines jedes CGI-Films, nicht so wunderbar funktionieren würden. Eine Kanalratte wird zum überaus charmanten Helden einer Komödie? Verrückt, aber wahr. Es ist nicht nur der Wortwitz, auch Gestik und Mimik des pelzigen Maitres sind ein Ereignis, zumal Mensch und Tier nicht in einer Sprache miteinander kommunizieren können. Überhaupt wird es immer dann am lustigsten, wenn Remy seine liebevolle, aber holzklötzige Meute am Bein hat und diese ihn unfreiwillig mindestens in Verlegenheit, meist aber in Lebensgefahr bringt. Remy ist ein famoser, magischer kleiner Held, der es mit den großen Alten aus dem Haus der Maus locker aufnehmen kann.
Fazit: Brad Bird revolutioniert das Animationsgenre zwar nicht, aber er perfektioniert es. So ordnet sich Ratatouille auf Anhieb ganz oben in der Hierarchie der Pixar-Werke, ja, sogar an der Spitze des 3D-Animationskinos überhaupt, ein. Und beweist beiläufig, gar spielend, dass auch ein CGI-Film mit den Charmewerten in derselben Liga wie die großen Disney-Zeichentrick-Klassiker längst vergangener Tage spielen kann.







