8. Januar 2008

Swingerclub

Geschrieben von Klaus in Musik & Lyrics 290 mal gelesen

swing.gifDer Swing gilt als die wohl populärste Stilrichtung des Jazz, die gegen Ende der 1920er Jahre entstand und zwischen 1935 und 1955 ihren Höhepunkt fand. Sie wurde ursprünglich von Afro-Amerikanern entwickelt, jedoch bald von den “Weißen” Amerikanern kopiert, kommerziell vermarktet, und zuletzt auch dominiert.

Die Ära des Swing ist untrennbar mit der Entstehung der für den Swing typischen Musikerformation, der Big Band, verbunden. Die Big Band geht in ihrer Besetzung auf die klassische, siebenköpfige New-Orleans-Jazzband zurück, wobei die drei Blasinstrumente der Band (Posaune, Klarinette und Trompete bzw. Kornett) nun mehrfach besetzt wurden.


Als Gründer der “Urbigband” jedoch wird im Allgemeinen der New Yorker Pianist und Arrangeur Fletcher Henderson gesehen, der als erster die Mehrfachbesetzung im Bereich der Bläser ausprobierte, wobei seine “Bigband” über eine Posaune, zwei Trompeten, ein Alt- und ein Tenorsaxophon, eine Klarinette sowie die Rhythmusgruppe verfügte. Die klassische Besetzung der Bigband setzte sich erst ab 1930 durch.

Die Big Band als Musikerformation hatte ihren Durchbruch Ende der 1920er Jahre. Für den nahezu kometenhaften Aufstieg lässt sich eine einfache Erklärung aus den Bedingtheiten der Zeit finden: Nach der Weltwirtschaftskrise vom Oktober 1929 waren viele kleinere Ensembles zur Auflösung gezwungen. Die nun arbeitslosen Musiker fassten sich zur “wirtschaftlicheren” Big Band zusammen, um überhaupt wieder ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Die Spielweise aber, die der Stilrichtung Swing Mitte der 1930er Jahre auch ihren Namen verlieh, ist eine Swing genannte, rhythmisch-dynamische Bewegungsform des Jazz, die durch den Gegensatz von gefühltem Puls (die Grundschläge in jeder Taktart) und kleinsten rhythmischen Abweichungen der Einsätze der Instrumente zustande. Im durchgängigen sog. Offbeat-Spiel ganzer Melodiepassagen erhält das swing-Phänomen eine besondere Dominanz. Zur Verdeutlichung mag das folgende Beispiel dienen: Das klassische, auch häufig vom Schlagzeuger markierte rhythmische Swingschema ist eine Viertelnote gefolgt von zwei (formalen) Achtelnoten, worauf wieder eine Viertel folgt und so weiter. Würde die Band beide Achtel straight, also tatsächlich halb so lang wie die Viertel spielen (wie es ja auch meist notiert ist), wäre das kein Swing. Tatsächlich wird der erste Achtel etwas länger als der zweite gespielt, was wiederum auch vom Tempo abhängt, und so ein federndes, tragendes Rhythmusgefühl erzeugt.

Als erste weiße Band dieses Stils begann das Casa Loma Orchestra ab Ende der Zwanzigerjahre mit der Popularisierung des Swing. Diese Stilrichtung des Jazz wurde ab Mitte der Dreißigerjahre zu einem Massenphänomen, nicht zuletzt durch die spektakulären Erfolge der Band des Klarinettisten Benny Goodman. Swing zog insbesondere die Jugend der damaligen Zeit in seinen Bann, so dass sich aus dem Swing eine Reihe wilder Tanzmoden entwickelten. Maßgeblichen Einfluss auf den Siegeszug des Swing hatte der Einsatz des Rundfunks, zunächst in den USA, wo eine zwischen Dezember 1934 und Mai 1935 als Werbekampagne von der National Biscuit Company organisierte Radio-Show mit drei Bands unterschiedlicher Stilrichtung, darunter auch das Goodman Orchestra über die Rundfunkstationen der National Broadcasting Company wöchentlich landesweit ausgestrahlt wurde. Auch die Radiosender in Europa trugen das ihre zum Siegeszug des Swing bei. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg holten ganz speziell Deutschland und Österreich auf, wo der Jazz während der Zeit des Dritten Reiches als “entartete Musik” im Rundfunk verboten gewesen war, und die Anhänger der Swingjugend mit schweren Strafen zu rechnen hatten.

Übermittler dieser neuen Musikrichtung waren hauptsächlich die amerikanischen Truppen in Europa. Zu erwähnen ist hier Glenn Miller, der 1937 seine Bigband mit dem typischen “Glenn-Miller-Sound” (vier Saxophone und führende Klarinette) gründete und schnell große Popularität genoss. Es entstanden Hits wie In The Mood, oder auch Moonlight Serenade, American Patrol, Chattanooga Choo Choo, Tuxedo Junction oder Little Brown Jug. Glenn Miller trat der Army Air Force bei und übernahm 1942 die Leitung der Army Air Force Band. 1944 kam Miller bei einem Versorgungsflug über dem Ärmelkanal ums Leben.


Im Laufe der Zeit bildete der Swing einen Doppelcharakter aus. So wurde Swing zum einen als populäre Tanzmusik genutzt, andererseits fanden rein konzertante Darbietungen statt. Seinen Triumphzug feierte der Swing jedoch als Tanzmusik, und er erlangte eine noch nie da gewesene Popularität.

In Deutschland war es in den letzten 2 Jahren Roger Cicero der den Swing “wieder” populär machte indem er Pop, Jazz und Swing mit frechen Texten mischt und damit regelmäßig die Charts erobert. Der Sohn des Jazz-Pianisten Eugen Cicero überrascht nicht nur mit ungewohnten Klängen und Texten, auch optisch machen seine Auftritte etwas her: Elegant mit Hut und Lackschuhen sowie Elf-Mann-Orchester kommt er ganz im Stil von Swing-Musikern auf die Bühne.


Von seiner Live-Performance konnte ich mich bei der Radio-Regenbogen Popkantine im Frühjahr 2007 überzeugen …



Quellennachweis:

Texte auzugsweise aus Wikipedia

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