Gerhard Berger
Gerhard Berger wurde als Sohn des österreichischen Speditionsunternehmers Johann Berger geboren. Damit war schon früh das Interesse für Motoren und Autos geweckt.
Nach seinem Schulabschluss wechselte Berger auf Drängen des Vaters auf eine Handelsschule. Da er der Schule aber nicht allzu viel abgewinnen konnte, beendete er seine Schulkarriere recht bald, um im Betrieb seines Vaters eine Lehre zum Kraftfahrzeugmechaniker zu absolvieren. Berger hatte das Berufsziel Rennfahrer zwar schon fest im Visier, sollte aber zunächst eine solide Berufsausbildung absolvieren.
1978, mit 19 Jahren, gab Berger sein Debüt als Rennfahrer: Prominente aus der Rennszene in Bergers Heimat boten dem jungen Österreicher die Chance, ein Rennen am Österreichring mit einem Ford Escort Gruppe 5 zu fahren. Berger gewann seine Klasse in überzeugender Manier und wurde daraufhin von seinen Förderern ermutigt weiter zu machen. Es folgte die Teilnahme am Internationalen Alfasud-Cup. Über Karl Wendlinger, der damals ebenfalls in dieser Rennklasse fuhr, kam der Kontakt zu dem deutschen Rennstallbesitzer Josef Kaufmann zustande und der Weg zu Bergers Debüt in der deutschen Formel 3 war geebnet. Ein Jahr später wurde Berger mit Hilfe von Dr. Helmut Marko in die europäische Formel 3 geholt, wo er bis 1984 für verschiedene Teams fuhr. Der damalige BMW-Motorsport Chef Dieter Stappert ermöglichte Berger nebenbei den Einstieg in die europäische Tourenwagenszene. Dort fuhr er bis 1986 für das Team Schnitzer auf einem BMW 635 CSI und gewann mitunter das 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps mit Roberto Ravaglia und Marc Surer als Co-Piloten.
1984–1986: ATS, Arrows, Benetton
Am 19. August 1984 feierte Berger in einem ATS-BMW seinen Einstand in der Königsklasse. Bei dem Rennen auf dem Österreichring fiel er drei Runden vor Schluss mit Getriebeschaden aus, wurde aber aufgrund der zurückgelegten Distanz als 12. und letzter gewertet. Bereits in seinem zweiten Grand Prix im italienischen Monza erreichte Berger mit Rang 6 die Punkteplatzierungen, kam aber nicht in die Wertung, da sein Team nur das Auto seines Teamkollegen Manfred Winkelhock gemeldet hatte. Nicht zuletzt aufgrund der unzureichenden Mittel des Teams konnte Berger auch in zwei weiteren Rennen keine Punkte mehr einfahren. Zur Saison 1985 wechselte Berger mitsamt der BMW-Motoren zum Team Arrows, wo er bei 16 Starts drei Punkte sammelte. 1986 trat er für das neu gegründete Benetton-Team an, das ebenfalls von BMW mit Motoren ausgerüstet wurde. Berger avancierte zum besten Nachwuchsfahrer und schaffte beim Grand Prix in Mexico seinen ersten Sieg. Bereits vorher hatte ihn Enzo Ferrari für die nächste Saison verpflichtet - in der festen Überzeugung, in ihm den nächsten Weltmeister gefunden zu haben.
1987–1989: Ferrari
Obwohl Berger in den folgenden drei Jahren gute Ansätze dafür zeigte, bekam er letztendlich nicht das Material zur Verfügung gestellt, um im Kampf um die Formel-1-Krone bestehen zu können. Er überzeugte im italienischen Traditionsteam von Beginn an, kam aber vor allem 1987 über Gelegenheitserfolge nicht hinaus. Einer zähen Saison folgten zwei Siege zum Jahresabschluss, die aber keine Auswirkung mehr auf die Weltmeisterschaft hatten.
1988 war Berger gegen die überlegenen McLaren-Honda, die 15 von 16 Rennen für sich entscheiden konnten, chancenlos. Das verbleibende Rennen in Monza konnte Berger wenige Tage nach Enzo Ferraris Tod zwar gewinnen, profitierte dabei aber von einer Kollision des bis dahin führenden McLaren-Piloten Ayrton Senna mit dem überrundeten Jean-Louis Schlesser. Seinen hocheingeschätzten Teamkollegen Michele Alboreto hatte Berger meist im Griff und wurde am Ende des Jahres mit 41 Punkten Dritter der WM-Wertung.
Auch 1989 gelang es Ferrari nicht, ein dem McLaren in Sachen Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit ebenbürtiges Auto zu bauen. Die Piloten Berger und Nigel Mansell schieden häufig wegen Defekten aus. Zudem setzte ein schwerer Unfall beim Grand Prix von San Marino in Imola dem Österreicher für den Rest der Saison zu, bei dem er aufgrund eines gebrochenen Frontflügels mit Tempo 280 in die Streckenbegrenzung der Tamburello-Kurve raste. Erst zum Ende der Saison hin erholte sich Berger und konnte mit einem Sieg beim Grand Prix von Portugal ein Ausrufezeichen setzen, bevor er für die Saison 1990 zum McLaren-Honda-Team wechselte.
1990–1992: McLaren
1990 wanderte Berger zu McLaren weiter, wo Ayrton Senna sein Partner wurde, jener Mann, den er mehr schätzte als jeden anderen und an dem letztlich kein Weg vorbeiführte. Ayrton Senna war aber auch der Einzige, mit dem Berger außerhalb des Business eine tiefe, bis zu Sennas Tod anhaltende Freundschaft pflegte.
Jedoch hatte Berger vor allem 1990 und 1991 damit zu kämpfen, dass sich das Team vollständig auf Senna konzentrierte. Während dieser zweimal Weltmeister wurde, erreichte Berger nur zwei 4. Plätze mit jeweils 43 Punkten. Auch traf Berger erheblich öfter das Pech als Senna - fiel er doch in ungewöhnlich vielen Rennen mit technischen Problemen aus. Höhepunkt der beiden Jahre war der Sieg in Japan 1991, als ihn der frischgebackene Weltmeister Senna in der letzten Runde überholen ließ.
1992 war McLaren von Anfang an chancenlos gegen das Williams-Renault-Team, das die Saison dominierte. Berger nutze die Gelegenheit und trat aus dem Schatten Sennas heraus. Er gewann die Rennen in Kanada und Australien und beendete die Saison mit 49 Punkten auf Platz 5, nur einen Punkt hinter Senna.
1993–1995: Ferrari
Ferrari engagierte Berger 1993 noch einmal. Jedoch war das Team in der schlimmsten Krise seiner Geschichte, war man doch 1992 leistungstechnisch ins Mittelfeld abgerutscht und hatte schwere Zuverlässigkeitsprobleme. Bergers Teamkollege in der Ära Ferrari II war Jean Alesi.
Vor Beginn der Saison 1993 hatte Ferrari so große Standfestigkeitsprobleme, dass man es für unmöglich hielt, das erste Rennen in Südafrika zu beenden, aber Berger erreichte Platz 6. Im Laufe der Saison hatte man stets mit der mangelnden Haltbarkeit und der fehlenden Konkurrenzfähigkeit des Autos zu kämpfen. Als Jean Todt in Frankreich sein Debüt als Teamchef gab, war das Team am Tiefpunkt. Berger wurde nur 14., Alesi fiel aus. So waren ein 3. Platz in Ungarn und zwölf WM-Punkte die Ausbeute. Für Aufsehen sorgte Berger eher mit seinen Horrorunfällen in Estoril und Monza, bei denen er aber unversehrt blieb.
1994 zeigte sich Ferrari stark verbessert - Berger beendete die längste Zeit ohne Sieg für Ferrari (über 50 Rennen) in Deutschland und erreichte er seinen zweiten 3. Platz in der Weltmeisterschaft. Überschattet wurde aber alles durch die Tragödie von Imola, wo Berger nach dem Tod von Senna und Ratzenberger lange Zeit ans Aufhören dachte - nicht zuletzt weil er in der Saison zuvor selbst einige schwere Unfälle hatte, dabei jedoch unversehrt blieb.
1995 erreichte er den 6. Platz in der Weltmeisterschaft.
1996–1997: Benetton
Als Michael Schumacher 1996 zu Ferrari ging, wechselte das Ferrari-Duo Gerhard Berger und Jean Alesi zum Weltmeisterteam Benetton. Gerhard Berger, der bis dato nicht unbedingt als „Freund“ Schumachers galt, geriet beim ersten Test mit dem Auto des Weltmeisters in einer der ersten Kurven sogleich ins Kiesbett - auch Jean Alesi erging es kaum besser. Berger und Alesi war es unerklärlich, wie man mit solch einem nervösen Fahrzeug Weltmeister werden konnte. Berger bezeichnete den Benetton sogar in einem Interview als „unfahrbar“ und erklärte später seinen Respekt vor Schumachers Fahrzeugbeherrschung. Dahinter stand, dass Schumacher bedingt durch seine Erfahrungen beim Kartfahren meist ein nervöses Fahrzeug mit leichtem bis mäßigem Übersteuern bevorzugte, während der Österreicher ein neutrales bis untersteuerndes Rennfahrzeug vorzog, mit dem er kontrolliert tief in die Kurven einbremsen konnte. Aus dieser Perspektive passte der Benetton in der Rennabstimmung des Kerpeners überhaupt nicht zum Fahrstil Bergers, der erst relativ spät zum Motorsport gefunden hatte.
Recht legendär sind einige Unfälle die Gerhard Berger in seiner Karriere hatte …







